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Im Team gegen Masern: Almuth Schult, DGKJ-Impfbotschafterin

23.07.2019

Nationaltorhüterin Almuth Schult ist Impf-Botschafterin der DGKJ: Im Interview erläutert sie ihr Engagement für die Masern-Impfung.

Bild: VfL Wolfsburg/regios24

Almuth Schult (28), Welttorhüterin und für die deutsche Fußballnationalmannschaft im Tor, engagiert sich als Impf-Botschafterin der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) für die Masern-Impfung.

Frau Schult, Sie engagieren sich für die Impfung gegen Masern - und bringen dafür leider eigene Erfahrungen mit, denn Anfang 2019 sind Sie selbst an Masern erkrankt.

Die Symptome kamen Ende Januar 2019 auf. Es fing damit an, dass ich mich tagelang schlapp und müde gefühlt habe. Vor allem im Training war das zu spüren – da deutete vieles darauf hin, dass ich krank werde. An einem Abend kamen dann schließlich Grippe-Symptome dazu. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, ich wäre nach ein paar Tagen wieder fit. Leider wurde es aber immer schlimmer und es kam noch Ausschlag dazu, der sich jeden Tag weiter ausbreitete. Wir wussten nicht, was es sein konnte. Meine Symptomatik war nicht eindeutig und hat auch nicht auf Masern hingedeutet. Es bestand Verdacht auf Streptokokken und letztendlich wollten wir mit einer Untersuchung im Krankenhaus klären, was es nun genau ist. Ich war zu dieser Zeit mit dem VfL Wolfsburg in Portugal im Trainingslager und dort war es im Krankenhaus nicht möglich, innerhalb von 24 bis 48 Stunden ein Blutbild zu bekommen. Es wurde immer schlimmer und ich bin meinem Verein sehr dankbar, dass er mich schlussendlich nach Deutschland ausgeflogen hat. Im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf habe ich dann die Diagnose Masern bekommen, innerhalb weniger Stunden nach der Aufnahme.

Ließ sich klären, wo Sie sich angesteckt haben?

Es ließ sich nicht aufklären, woher ich die Erkrankung bekommen habe. In meinem kompletten Landkreis gibt es keinen anderen Fall. Durch die Inkubationszeit ist auch schwer, ein exaktes Datum der Ansteckung zu bestimmen. Es kann am Flughafen oder im vorherigen Trainingslager mit der Nationalmannschaft in Spanien passiert sein. Aber niemand von meinen Bekannten ist betroffen.

Sport ist Ihr Beruf, Sie sind perfekt trainiert und in bester medizinischer Betreuung – dennoch haben die Masern Sie zeitweilig ausgeknockt. Waren Sie auf diese Schwere der Erkrankung vorbereitet, als Sie die Diagnose „Masern“ erhielten?

Als die Diagnose bestätigt vorlag, wusste ich, was mich erwartet. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir wirklich miserabel und ich war schon am Tiefpunkt des Verlaufes. Mir wurde gesagt, dass es jetzt mehr oder minder nur noch besser werden kann – und das wurde es dann innerhalb von zwei Tagen im Krankenhaus auch. Die Zeit davor war eher schlimm, weil man nicht wusste, was es ist und was helfen kann. Ich habe nach der Diagnose sieben bis acht Tage in Quarantäne verbringen müssen, das war in Ordnung. Es war einfach gut zu wissen, dass es danach ein Ende hat. Meine Familie wieder in den Arm nehmen zu können, war ein großer Moment.

Die Krankheit traf Sie umso überraschender, weil Sie der Meinung waren, nicht mehr an Masern erkranken zu können.

Das stimmt. Ich habe drei Geschwister und bin auf einem Bauernhof in einem kleinen Ort großgeworden, da hat man die ein oder andere Krankheit durch. Ich kann mich auch noch entfernt an meine Masernerkrankung erinnern, aber ich habe keinen Nachweis darüber. Keiner kann mir jetzt im Nachhinein sagen, ob ich die Masern schon mal hatte oder ob es nur eine „Mini-Infektion“ war. Definitiv können wir durch einen Bluttest sagen, dass ich Mumps, Röteln und Windpocken hatte. Nun auch Masern mit absoluter Sicherheit. Hätten wir gewusst, dass ich nicht immun war, wäre ich auf jeden Fall geimpft gewesen. Nun wurden wenigstens mal alle in der Familie und auch sehr viele in meinem Bekanntenkreis auf diese Krankheit aufmerksam. Alle haben ihre Impfpässe kontrolliert oder eine Titer-Bestimmung machen lassen. Man kann also sagen, dass die Krankheit auch etwas Gutes gehabt hat.

Was hieß die Infektion für Sie als Spitzensportlerin – haben Sie da gleich an die WM gedacht?

An die WM habe ich in dem Moment nicht gedacht, das war zu weit weg. Als Sportlerin habe ich zunächst mal daran gedacht, für wie viele Spiele ich in der Bundesliga ausfallen werde. Aber es konnte mir keiner mit Sicherheit sagen, wie lang ich benötige, um wieder vollkommen fit zu sein. Für mich waren schon kurze Spaziergänge oder kleine Tätigkeiten im Haushalt sehr anstrengend – und an Sport war anfangs nicht zu denken. Eine ganz andere Welt, wenn man es gewohnt ist, täglich zu trainieren. Wir haben deshalb von Tag zu Tag geschaut und ich muss sagen, dass sich mein Körper verhältnismäßig schnell erholt hat. Zumindest um wettkampffähig zu sein.

Wie lange haben Sie gebraucht, um sich wieder „aufzutrainieren“ nach der Erkrankung?

Nach Ende der Quarantäne habe ich fast vier Wochen gebraucht, um die erste Einheit mit der Mannschaft auf dem Platz absolvieren zu können. Aber da war ich noch nicht im gleichen Zustand wie vor der Erkrankung. Ich hatte noch wochenlang mit den Nachwirkungen zu kämpfen. Ich denke, es hat mindestens drei Monate gedauert, bis ich mich wieder annähernd gut im Leistungssport fühlen konnte. Deshalb bin ich froh, es rechtzeitig zur WM geschafft zu haben.

Was halten sie von der aktuellen Diskussion um eine Masern-Impfpflicht in Deutschland? Wie schätzen Sie die Bereitschaft zur Impfung ein?

Eine Impfpflicht sehe ich als sinnvoll an. Ich wünsche niemandem diese Krankheit und wenn man sie eliminieren will, brauchen wir die Impfungen. Jeder, der sich gegen eine Impfung stellt, wird seine Meinung sicherlich ändern, wenn der Krankheitsfall eintritt. Grundsätzlich sehe ich uns Deutsche als sehr pflichtbewusst an. Deswegen wird die Impfpflicht kommen und auch der richtige Schritt sein! Die Masern ist eine der ansteckendsten Krankheiten der Welt und man kann sich ohne Impfung nicht davor schützen, weil man anderen Menschen nicht ansieht, ob sie das Virus verteilen.

Als Welttorhüterin und Nationaltorhüterin, als Fußballerin und Vereinssportlerin haben Sie für viele junge Sportler*innen eine Vorbildfunktion. Was möchten Sie ihnen auf den Weg geben?

Im Fußball stellt man sich in den Dienst und den Erfolg der Mannschaft. So sollte es auch mit der Masernimpfung geschehen. Man sollte an seine Mitmenschen denken und gemeinsam versuchen diese Krankheit auszurotten. Deswegen "gemeinsam gegen Masern"!

Liebe Frau Schult, vielen Dank für das Gespräch - und für Ihr Engagement!

Das Interview mit Frau Schult führte Dr. Sybille Lunau / DGKJ-Pressestelle kurz nach der WM in Frankreich.


Die DGKJ begrüßt die entsprechende Gesetzesinitiative von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Der Gesetzesentwurf zum Masernschutzgesetz wurde vom Bundeskabinett kürzlich beschlossen und wird nun ins parlamentarische Verfahren und damit verbundene Beratungen im Plenum des Deutschen Bundestages eingehen.

Die Stellungnahme der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DAKJ), Dachverband aller kinder- und jugendmedizinischen Fachgesellschaften und Verbände, finden Sie hier.


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