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Reduktionsstrategie: Ein Anfang

19.12.2018

Presseinfo zum heutigen Beschluss des Bundeskabinetts.

Heute hat das Bundeskabinett die Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz beschlossen, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) eingereicht hatte.

Aus Sicht der Kinder- und Jugendmedizin ist damit ein wichtiger Schritt geschafft, der helfen wird, die gerade in den ersten Lebensjahren besonders verletzliche Gesundheit besser zu schützen. „Die beschlossene Strategie, mittels Übereinkunft mit der Lebensmittelindustrie gesündere Produkte zu erhalten, ist ein guter, aber nur ein erster Schritt“, bewertet Berthold Koletzko von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) den heutigen Beschluss.

Beispielsweise ist die zugesagte Reduktion des Zuckergehaltes in Softgetränken um 15% innerhalb von 7 Jahren im internationalen Vergleich überhaupt nicht zufriedenstellend. So wurde in Großbritannien der Zuckergehalt verschiedener Limonaden innerhalb von Monaten um mehr als 50% gesenkt. „Wir empfehlen weiterhin: Kinder und Jugendliche sollten vorzugsweise Wasser trinken und zuckerhaltige Getränke am besten meiden“, sagt Prof. Dr. Ingeborg Krägeloh-Mann, Präsidentin der DGKJ. Auch die angekündigte Senkung des Zuckergehaltes in Frühstücksflocken für Kinder um nur 20% ist dann viel zu gering, wenn man weiß, dass der höchste Zuckergehalt in Kindermüsli 23 % höher ist als im ohnehin schon süßen Müsli für Erwachsene.

Nach Meinung der Fachgesellschaft und vieler anderer Verbände aus dem Gesundheitsbereich muss der Entschluss, Produkte mit weniger Zucker, Fetten und Salz durch weitere Maßnahmen gefördert werden. Solche hatte die DGKJ zuletzt Anfang Dezember in einer Stellungnahme zusammengefasst und an das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gerichtet.

Prof. Dr. Berthold Koletzko von der Ernährungskommission der DGKJ betont: „Für eine bessere, wirkungsvollere Prävention etwa von Adipositas und Diabetes 2 schon in jungen Jahren brauchen wir konsequente und verpflichtende Regeln, die gesunde Ernährung leichter und selbstverständlicher machen!“.

Als weitere Maßnahmen zur Förderung einer gesünderen Ernährung (nicht nur) von Kindern und Jugendlichen bieten sich an:

  • eine leicht verständliche Kennzeichnung der Lebensmittelqualität auf der Packungsvorderseite wie den Nutri-Score, den Frankreich, Belgien und Spanien eingeführt haben
  • ein Verbot der an Kinder gerichteten Werbung
  • falls durch freiwillige Reduktionsstrategie in ein bis zwei Jahren keine ausreichende Verbesserung in der Zusammensetzung angebotener Lebensmittel erreicht wird, sollten ordnungspolitische Maßnahmen wie z. B. definierte Begrenzungen des Gehaltes von Zucker, gesättigtem Fett und Salz in einzelnen Produktgruppen und ein erhöhter Mehrwertsteuersatz auf stark zuckerhaltige Getränke erfolgen.

Die DGKJ wird den weiteren Verlauf der Reduktions- und Innovationsstrategie sorgfältig beobachten und steht den politischen Entscheidungsträgern weiterhin mit wissenschaftlichem Rat zur Verfügung.

 

Lesen Sie hier die vollständige Stellungnahme der DGKJ.

 

Pressekontakt:

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)
Dr. Sybille Lunau
Chausseestr. 128/129 | 10115 Berlin
Tel. +49 30 3087779-14
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