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Laudatio Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

26.09.2018

Am 26. September 2018 hält Prof. Dr. Gerhard Jorch seine Abschiedsvorlesung an der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Bild: DGKJ/Hauss
DGKJ-Tagungspräsident 2018: Prof. Dr. Jorch bei der Eröffnung des Kongresses für Kinder- und Jugendmedizin am 13.9.2018 in Leipzig

Am heutigen 26. September 2018 hält Herr Professor Dr. med. Gerhard Jorch, seit 1. April 1998 Direktor der Universitätskinderklinik Magdeburg, seine Abschiedsvorlesung an der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität. Seit über drei Jahrzehnten prägt er mit seinen wissenschaftlichen, berufspolitischen und gesellschaftlichen Aktivitäten die kinderärztliche und insbesondere neonatologische Entwicklung im deutschsprachigen Raum entscheidend.

Geboren am 24. September 1951 im Paderborner Ortsteil Neuhaus, absolvierte Gerhard Jorch ab 1970 als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes das Studium der Humanmedizin an der Universität Marburg, legte 1976 das Staatsexamen ab und promovierte im gleichen Jahr zum Dr. med. . Seine kinderärztliche Ausbildung erhielt Gerhard Jorch von 1977 bis 1982 an der Universitäts-Kinderklinik Münster, war danach als Oberarzt und ab 1989 als leitender Oberarzt dort tätig. Der Habilitation zu Ursachen und Prävention von Hirnschäden bei Frühgeborenen 1985 folgte die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor im Jahre 1990. Parallel dazu war Gerhard Jorch im Zeitraum von 1982 bis 1998 oberärztlicher Leiter der neonatologisch-pädiatrischen Intensivstation an der Universitäts-Kinderklinik Münster. 

Die Resultate mehrerer multizentrischer epidemiologischer Studien zum Plötzlichen Säuglingstod in den 1980ern unter Gerhard Jorchs Leitung und seine Beratertätigkeit für das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales Nordrhein-Westfalen hinsichtlich präventiver Maßnahmen zur Säuglingsgesundheit ab 1990 bildeten in dieser Zeit eine wesentliche Voraussetzung für die signifikante Absenkung der Sterblichkeit im ersten Lebensjahr im dortigen Bundesland. Darüber hinaus fungierte Gerhard Jorch von 1990 bis 1998 als Fachgutachter für die Ärztekammer Westfalen-Lippe zu Fragen der Qualitätssicherung und der Haftpflicht, für die Bundesärztekammer als Wissenschaftlicher Beirat zu „Pränatale und perinatale Schmerzempfindung“ (1991) und zu „Richtlinien zur Feststellung des Hirntodes“ (1997).

Einem Ruf auf die Professur für Pädiatrie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg folgte Professor Gerhard Jorch 1998 mit seinem Amtsantritt als Direktor der Klinik für Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie. Seit 2006 verantwortet er das Direktorat der gesamten Universitätskinderklinik Magdeburg. Im Bundesland Sachsen-Anhalt übernahm er im Zeitraum von 1998 bis 2003 im dortigen Ministerium für Gesundheit und Soziales die Leitung des Arbeitskreises zur Senkung der Säuglingssterblichkeit. In den folgenden Jahren sank in Sachsen-Anhalt die Sterblichkeit im ersten Lebensjahr signifikant.

Für seinen Einsatz zur Verhütung des plötzlichen Kindstods wurde Professor Jorch 2004 mit dem Meinhard von Pfaundler-Präventionspreis der Stiftung Kindergesundheit ausgezeichnet.

Nicht wenigen von uns wird Gerhard Jorch möglicherweise auch als exponierter Vertreter wissenschaftlicher Fachgesellschaften und als Kongresspräsident begegnet sein. So fungierte er von 1998 bis 2001 als erster Vorsitzender der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI), von 2002 bis 2015 als erster Vorsitzender des Arbeitskreises Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin Sachsen-Anhalt e.V. (ANPISA), seit 2007 als Präsidiumsmitglied der Deutschen interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und in den Jahren 2015 bis 2016 als Präsident der DIVI.

Gerhard Jorch und seiner vorausschauenden und konsequenten berufspolitischen Arbeit ist es zu verdanken, dass Neonatologen und pädiatrische Intensivmediziner heute in der DIVI als Vertreter der Pädiatrie eine von Allen anerkannte Berufsgruppe bilden.

Die Ergebnisse von Professor Gerhard Jorchs wissenschaftlichen Aktivitäten fanden in mehr als dreihundert Publikationen und über fünfhundert Fachvorträgen ihren Ausdruck. Seine Herausgebertätigkeit von Fachzeitschriften umfasst neben der „NeonatologieScan“ die „Intensivmedizin up2date“ (beide im Thieme-Verlag) sowie die „DIVI“ (Ärzte-Verlag). Im deutschsprachigen Raum verdanken wir Gerhard Jorch in seiner Doppelfunktion als Herausgeber und Autor mehrere neonatologische Standardwerke. Dies betrifft den Elternratgeber „Frühgeborene“ (Herder-Verlag) und die Fachbücher „Neonatologie – die Medizin des Früh-und Reifgeborenen“, „Fetoneonatale Neurologie“, „Fetoneonatale Lunge“ und „Fetoneonatale Infektionen“ (alle beim Thieme-Verlag erschienen).

Nachdem Herr Professor Jorch erst vor zwei Wochen als Tagungspräsident der DGKJ-Jahrestagung 2018 in Leipzig fungierte, wird er sich künftig verstärkt dem interkulturellen medizinischen Austausch und der Entwicklung der Neugeborenenmedizin im chinesischen Chongqing widmen.

In der Zusammenschau zentriert sich das beispielhafte und vielfältige Engagement von Professor Dr. med. Gerhard Jorch immer wieder neu um die fachliche Sorgfalt und die Sorge um das kranke Kind, das ihm als Kinderarzt von dessen Eltern zur Behandlung anvertraut wurde und wird. Für dieses Wirken sind unserem Freund Gerhard Jorch seit mehr als drei Dekaden sowohl Patienten und ihre Angehörigen als auch eine Vielzahl von Kollegen weit über seine unmittelbaren Wirkungsstätten hinaus zu außerordentlichem Dank verpflichtet.

 

Roland Hentschel und Axel Hübler, September 2018