Elterninfo Kind schläft nicht



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"Mein Kind schläft nicht"

Wie viele Stunden Schlaf braucht ein Kind?

Nicht selten suchen besorgte Eltern den/die Kinder- und Jugendarzt/ärztin auf, weil sie meinen, ihr Kind schlafe zu wenig. Tatsächlich ist das Schlafbedürfnis altersabhängig, variiert jedoch individuell sehr stark.
Manchmal kommt ein erst 4 Monate alter Säugling schon mit 10 bis 12 Stunden Schlaf am Tag aus und ist deshalb nicht krank. Erwachsene schlafen durchschnittlich 7 bis 8 Stunden am Tag.

Wann sollte ein Baby durchschlafen?

Säuglinge und Kleinkinder (manchmal bis zu einem Alter von etwa 5 Jahren) wachen nachts regelmäßig auf, oft sogar mehrmals. Dies geschieht beim Wechsel der Schlafphasen. Auch das ist normal und nicht krankhaft. Vielmehr kommt es darauf an, wie die Eltern mit diesem nächtlichen Erwachen umgehen:
Nächtliches Aufwachen bedeutet nicht unbedingt Hunger, sondern kann auch nur eine normale Orientierungsreaktion darstellen.


Bild: DGKJ

TIPP

Wenn zu befürchten ist, der Schlaf reicht nicht aus, sollte über ca. 3 Wochen ein sogenanntes Schlaftagebuch geführt werden.
Hier wird jeden Tag genau eingetragen, von wann bis wann das Kind geschlafen hat, wie oft es aufgewacht ist und wie die Schlafbedingungen gewesen sind (Licht, Lärm, Hitze, wann das Baby unruhig war, wann es gegessen hat usw.). So können Schlafqualität, Schlafbedarf und ggf. Ursachen für Störungen ermittelt werden.

Die richtigen Schlafbedingungen für ein Baby
  • Legen Sie ihr Baby nur in Rückenlage und ohne Kopfbedeckung zum Schlafen hin, auch zur Mittagsruhe.
  • Optimal ist ein Schlafsack (Sommer- oder Winterversion) ohne zusätzliche Decke, um ein Überdecken von Mund und Nase zu vermeiden. 
  • Kissen oder Felle sind als Unterlage nicht geeignet, Kleidung ohne Kordeln.
  • Zimmer rauchfrei!
  • Zimmertemperatur zum Schlafen ca. 16 – 18°C.
  • Ihr Baby soll im Schlaf nicht schwitzen: Es geht ihm gut, wenn sich der Nacken warm, aber nicht schweißig anfühlt.
  • Luftdurchlässiger Matratzenüberzug.
Ungestörter Babyschlaf
Die Nacht sollte anders ablaufen als der Tag. An wiederkehrenden Ritualen kann Ihr Baby erkennen, dass es nun Schlafenszeit ist.

TIPP

Letzte Abendmahlzeit immer zur gleichen Zeit. Kind immer zur gleichen Zeit, aber wach zum Schlafen legen. Nachts bei gedämpftem Licht in ruhiger Atmosphäre die Windeln wechseln. Nicht auf jedes Erwachen sofort reagieren.

Tipps bei nächtlichem Erwachen im Säuglings- und Kleinkindalter

  • Kind nicht sofort aus dem Bett herausnehmen.
  • Kein helles Licht, jedoch beruhigende Worte oder Einschlafritual (bekanntes Lied oder Geschichte) einsetzen.
  • Nuckel oder andere Einschlafhilfe (kleines Kuscheltier o. ä.) geben.
  • Wenn Hunger oder Durst unwahrscheinlich sind, nicht zum Trinken oder Essen animieren. Gesunde Säuglinge über 6 Monate brauchen in der Regel nachts keine Mahlzeit.

Was ist eine Schlafstörung?

Einschlafstörung: Nach dem Zubettgehen und nach dem Einschlafritual weigert sich ein Kind, allein in seinem Bett zu bleiben.
Durchschlafstörung: Regelmäßiges, häufiges (bis 10 Mal und mehr) nächtliches Erwachen und Verlangen nach Bezugsperson.
Symptomatische Schlafstörungen: Bei anderen akuten oder chronischen Erkrankungen, verlieren sich meist nach Ausheilung der Grundkrankheit.
Obstruktives Schlafapnoesyndrom (OSAS): Zahlreiche, nächtliche Atmungsstörungen und meist Schnarchen mit Beeinträchtigung der Tagesbefindlichkeit und langfristig möglicher Entwicklungsverzögerung.
Enuresis nocturna: Bettnässen ist definiert als regelmäßiges oder episodenhaftes nächtliches Einnässen ab dem sechsten Lebensjahr.
Nachtschreck (Pavor nocturnus): Nächtliches Aufschrecken und Schreien, der Betroffene erinnert sich nicht.
Albträume: Träume mit ängstigenden Inhalten, die der Betroffene genau schildern kann.
Schlafwandeln (Somnambulismus): Aufsetzen oder Herumlaufen im Schlaf, meist im ersten Drittel der Nacht, der Betroffene
erinnert sich nicht.
Jactatio capitis: Rhythmische Bewegungen des Kopfes, manchmal des ganzen Körpers im Einschlafen und/oder während des Schlafes.
Zähneknirschen (Bruxismus): Rhythmisches Knirschen der Zähne, starkes Aufeinanderpressen der Zahnreihen.

Tipps für eine gute Nacht

  1. Regelmäßige Einschlaf- und Aufstehzeiten einhalten. Schlafrituale wie Lied singen, beruhigende Musik hören, Geschichte erzählen o. ä. fördern diese Regelmäßigkeit.
  2. Das Kind wird erst dann zum Schlafen gelegt, wenn es müde ist.
  3. Zubettgehen sollte Spaß machen und keine Strafe darstellen.
  4. Das Bett ist zum Schlafen gedacht. Im Bett sollten die Kinder weder lesen, noch spielen, fernsehen oder gar herumtoben.
  5. Zwischen Abendmahlzeit und Zubettgehen sollte genügend Zeit sein, leichte Kost kann schlaffördernd wirken.
  6. Koffeinhaltige Getränke sind für Kinder generell zu vermeiden.
  7. Sport oder aufregende Aktivitäten wie Fernsehen, Computerspiele, spannende Lektüre u.ä. vor dem Schlafengehen behindern einen erholsamen Schlaf.
  8. Störende Lichtquellen, Lärmgeräusche und extreme Temperaturen im Schlafzimmer des Kindes sollten beseitigt oder reduziert werden. Kurz: das Ambiente muss stimmen.
  9. Möglicherweise schläft ihr Kind deshalb nachts schlecht, weil der Mittagsschlaf nicht mehr nötig ist (Schlafbedarfsermittlung)?
  10. Nachts werden viele Informationen des Tages verarbeitet – Träumen ist normal. Ein Kind ist ausgeschlafen, wenn es rasch wach wird und sich tagsüber aktiv beschäftigt.

WEITERE INFORMATIONEN
Ulrich Rabenschlag: Kinder reisen durch die Nacht. Schlafen, Wachen, Träumen – Die gute Nacht für Kinder. Freiburg i. Br., Verlag Herder, 1998
William C. Dement, Christopher Vaughan: Der Schlaf und unsere Gesundheit. München, Limes Verlag, 2000
Thomas R. Verny: Das Baby von morgen. Rogner & Bernhard, 2004

INTERNET ADRESSEN
www.gesunder-kinderschlaf.de
www.leitlinien.net (s. Nr. 028/012: »Nichtorganische Schlafstörungen«)
www.babyschlaf.de

 

SCHLAFLABORE:
www.dgsm.de

IMPRESSUM

Erstellt im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. (DGKJ)

von der
Arbeitsgruppe Pädiatrische Somnologie der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM)
Prof. Dr. Thomas Erler, Potsdam, Barbara Schneider, Landshut

© DGKJ 2019. Titelbild: COLOURBOX

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